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Sonntag , 24 Oktober 2021

Wie steht es um den deutschen Biathlonnachwuchs?

Justus Strelow ist einer der deutschen Nachwuchsathleten, der in den nächsten Jahren den Sprung in den Weltcup schaffen soll – Foto: © Deubert/IBU.

Die Weltspitze im Biathlonweltcup rückt immer näher zusammen. Es sind nicht mehr nur drei oder vier Nationen, die bei den Großereignissen Medaillen gewinnen. Norwegen, Frankreich oder Schweden bestimmen das Tempo und dominieren besonders in den Staffelwettbewerben. Das gilt nicht nur für den Weltcup, sondern auch für die Nachwuchsrennen. In den letzten Jahren gab es wenige junge Gesichter in der deutschen Nationalmannschaft, die sich im Weltcup festsetzen konnten. Müssen wir uns Sorgen machen, um den deutschen Biathlonnachwuchs? Diese Frage diskutierten im ZDF-Interview Sven Fischer, Laura Dahlmeier, Herbert Fritzenwenger und Bernd Eisenbichler.

Das Ergebnis der Junioren- und Jugendweltmeisterschaft, die vom 24. Februar bis 07. März in Obertilliach stattfand, ist eindeutig. Mit zwei Medaillen, Gold durch Philipp Lipowitz und Bronze durch Selina Grotian, landet Deutschland nur auf Platz Sechs im Medaillenspiegel. Frankreich (11 Medaillen), Italien (10 Medaillen), Slowenien oder Russland (jeweils fünf Medaillen) präsentierten sich deutlich stärker. Die Experten sind sich jedoch einig, dass aus den Ergebnissen der Juniorenweltmeisterschaft keine Vorhersagen für den Weltcup gemacht werden können. Athleten wie Michael Greis oder Sven Fischer sind nicht Juniorenweltmeister geworden, konnten trotzdem den Gesamtweltcup gewinnen. Außerdem schwankten die Ergebnisse bei allen Nationen in den letzten fünf Jahren.

Hoher Altersdurchschnitt im deutschen Weltcupteam

Arnd Peiffer, Erik Lesser, Benedikt Doll oder Denise Herrmann sind die Leistungsträger im deutschen Team. Alle eint, dass sie bereits über 30 Jahre alt sind. Der Altersdurchschnitt in der deutschen Mannschaft beträgt 29 Jahre bei den Frauen und 31 Jahre bei den Herren. „Es ist wichtig, ob der Athlet gute Leistungen bringt. Das Alter ist für uns zweitrangig“, sagt der sportliche Leiter Bernd Eisenbichler. Für junge Athleten war es in den letzten Jahren schwer, sich im Weltcup zu etablieren. Lucas Fratzscher oder Anna Weidel bekamen zwar regelmäßig Einsätze, konnten jedoch selten um Top-Platzierungen kämpfen. Philipp Nawrath und Vanessa Voigt laufen im IBU-Cup vorn mit. Max Barchewitz und Danilo Riedmüller wurden 2020 Juniorenweltmeister. Für die Nationalmannschaft konnten sie sich bis jetzt nicht qualifizieren. Die Liste lässt sich fortführen. Herbert Fritzenwenger ist trotzdem optimistisch: „Wir haben gute Trainer und gute Athleten in Deutschland. Wichtig ist, dass der Wettbewerb innerhalb der Mannschaft da ist und sich alle auf das Ziel konzentrieren.“

Drei Athleten über 30 Jahre: die Siegerstaffel vom Weltcup in Nove-Mesto mit Erik Lesser, Arnd Peiffer, Philipp Nawrath und Benedikt Doll – Foto: Manzoni/IBU

Bewegung im Kindesalter als Basis

Laura Dahlmeier weißt darauf hin, dass Bewegung im Kindesalter die Basis für späteren Erfolg ist. Dabei ist die Freude am Sport wichtig, nicht die Sportart. „Eine allgemeine sportliche Ausbildung in Koordination und Schnelligkeit ist wichtig, um vielseitig aufgestellt zu sein. Die Spezialisierung auf eine Sportart kommt erst später“, sagt die Olympiasiegerin. Auch das Umfeld der Kinder muss den Sport fördern. Für Eltern sei es oft ein großer zeitlicher und finanzieller Aufwand den Kindern das Training zu ermöglichen. Sven Fischer wünscht sich, dass der Schulsport wieder mehr Wertigkeit bekommt. Das sei derzeit schwierig, weil Lehrer fehlen und Sportstunden ausfallen. Eine weitere Herausforderung für den Biathlonsport in Deutschland ist der Umgang mit der Waffe. In Deutschland dürfen Kinder erst ab 15 Jahren mit dem Kleinkalibergewehr schießen. In Norwegen gibt es keine Altersbeschränkung. Der Umstieg vom Luftgewehr auf Kleinkaliber falle vielen Athleten schwer. Im Schnitt dauert es vier Jahre, bis der Athlet vollständig mit der Waffe vertraut ist.

Perspektivkader und Schieß-Kompetenz-Team

Bernd Eisenbichler hat seit seinem Amtsantritt im April 2019 Maßnahmen umgesetzt, die sich besonders an den deutschen Biathlonnachwuchs richten. Im Perspektivkader sollen die Athleten speziell gefördert werden und so schneller den Übergang vom IBU-Cup in den Weltcup schaffen. Dazu wurden neue Trainer eingestellt und die Anzahl der Lehrgänge und Präsenztrainings erhöht. Die Deutsche Kreditbank (Sponsor des DSV) hat ein Mentorenprogramm zwischen Athleten im Weltcup und Perspektivkader aufgebaut. Die jungen Athleten tauschen sich dabei direkt mit ihren Vorbildern aus. Ein Gewinn für beide Seiten. Bernd Eisenbichler legt besonders Wert auf die Vernetzung der Trainingsstützpunkte in Deutschland, um bundesweit von den Verbesserungen zu profitieren. Zibi Szlufcik ist als DSV-Nachwuchstrainer genau dafür verantwortlich. Engelbert Sklorz leitet das Schieß-Kompetenz-Team, in dem auch Michael Rösch seine Expertise einbringt. „Wir müssen es schaffen, eine deutsche Handschrift zu entwickeln, ähnlich wie das französische Team es über viele Jahre vorgemacht hat“, sagt Bernd Eisenbichler. Die nächsten Ziele für das deutsche Team sind die Olympischen Winterspiele 2022 und die Heim-Weltmeisterschaft in Oberhof 2023.

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