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Montag , 27 September 2021

Sturla Holm Laegreid – Der Überflieger

Eindeutig ein Gewinner der vergangenen Saison: Sturla Holm Laegreid – Foto: © Thibaut/IBU

Vor der Saison 2020/21 kannten wohl nur Biathlonexperten seinen Namen. Nach 26 Rennen beendete er seine erste komplette Saison im Weltcup auf Platz Zwei der Gesamtwertung und zeigte Johannes Thingnes Boe, dass die stärkste Konkurrenz in der eigenen Mannschaft lauert. Sturla Hom Laegreid kann in den nächsten Jahren zum besten Biathleten der Welt aufsteigen.

Sieben Saisonsiege, Sieg in der Disziplinwertung im Einzel und der Verfolgung, bester Athlet unter 25 Jahren und vier WM-Titel – die Saison verlief für Sturla Holm Laegreid wie im Märchen. Vom Weltcupdebütanten in der Saison 2019/20 entwickelte er sich zu einem der erfolgreichsten Athleten der vergangenen Spielzeit. Mit nur 24 Jahren mischte er die Weltelite des Biathlonzirkus auf. Schon im ersten Rennen des Winters, dem Einzel von Kontiolahti im November, überzeugte der Norweger mit dem Sprung auf die höchste Stufe des Podests. Er lässt keinen Zweifel daran, fester Bestandteil der norwegischen Mannschaft zu sein.

Von Ole Einar Björndalen inspiriert

Im Alter von zehn Jahren begann Sturla Holm Leagreid mit dem Biathlonsport in seiner Heimat Baerum, einer Gemeinde westlich von Oslo. Ein Freund war schon aktiv und überzeugte ihn, mit zum Training zu kommen. Der junge Sturla ließ sich von Ole Einar Björndalen inspirieren. „Als Jugendlicher traf ich ihn und war beeindruckt von seinen Erfolgen. Er hatte großen Einfluss auf mich.“ Ein gemeinsames Training zwischen den beiden hat bis jetzt nicht stattgefunden. Schon zu Beginn seiner Biathonkarriere war Sturla Holm Laegreid ein talentierter Schütze. Die Trainingseinheiten am Schießstand machten ihm am meisten Spaß. Auf dem Weg zu seinen Erfolgen der letzten Saison half ihm mentales Training. „Ich achte sehr auf meine Psyche. Das hilft mir im Rennen den Fokus zu finden. Ich visualisiere die Rennen, um in Drucksituationen gelassen zu reagieren.“ Er arbeitet mit einem Mentalcoach zusammen, versucht aber auch viele Übungen selbst im Alltag umzusetzen, zum Beispiel regelmäßiges Meditieren.

Kein Starstatus

In seiner Heimat kann Sturla Holm Laegreid immer noch unbemerkt durch die Straßen gehen. Er ist zwar bekannt, doch die norwegischen Fans sind nicht aufdringlich. Dass er ein erfolgreicher Biathlet ist, merkt er jedoch an den vielen Autogrammwünschen, die täglich in seinem Briefkasten ankommen. Von Januar bis Ende März erreichten ihn hunderte Briefe. „Ich habe das nicht erwartet“, sagt Sturla Holm Laegreid. Um die vielen Anfragen überhaupt beantworten zu können, hat er einen Onlineshop erstellt. Das Geld, welches er mit der Aktion einnimmt, spendet er an ein gemeinnütziges Projekt. „Mir ist es wichtig, die Wünsche der Fans persönlich zu beantworten. Doch ich habe leider nicht genügend Zeit, deswegen habe ich den Onlineshop gestartet.“ Da sich der 24-Jährige gerade wieder im Training für die neue Saison befindet, pausiert der Shop.

Sieg im Massenstart der WM von Pokljuka für Sturla Holm Laegreid vor Quentin Fillon Maillet und Johannes Dale – Foto: © Thibaut/IBU

Geschockte Teamkollegen

„Ich glaube, dass meine Teamkollegen genauso geschockt waren, wie ich, dass diese Saison so gut gelaufen ist.“ Als er im letzten Frühjahr zur Trainingsgruppe der Nationalmannschaft kam, war Sturla Holm oft der Langsamste in den Laufeinheiten. Erst als das Training auf Schnee stattfand, konnte er sich durchsetzen. „Ich bin mit den Skiern auf Schnee deutlich schneller und stärker als mit Rollskiern.“ Die Stärke in der norwegischen Mannschaft erklärt der 24-Jährige durch die vielen gemeinsamen Trainingsstunden, die die Nationalmannschaft jeden Sommer gemeinsam verbringt und den starken Zusammenhalt in der Gruppe. In seiner ersten kompletten Saison als Biathlet hat er viel gelernt. „Als Biathlet ist man nie komplett. Es gibt immer etwas zu verbessern und das versuche ich auch in jeder Trainingseinheit umzusetzen.“ Sein Ziel vor Start der letzten Saison war so gut zu sein, dass ihn der Trainer nicht wieder nach Hause schicken konnte. Schon im ersten Rennen übertraf er die Erwartungen. Bei den Rennen in Hochfilzen ging er dann als Favorit an den Start. Eine ungewohnte Situation, die ihn aber als Athlet reifen ließ. Er erinnert sich gern an die Wettkämpfe der Weltmeisterschaft von Pokljuka zurück. Mit vier Goldmedaillen im Gepäck kam er zurück nach Norwegen.

Gitarre spielen und kochen

In seiner Freizeit spielt Sturla Holm Laegreid Gitarre oder kocht. Um vom Training zu regenerieren, schaut er Serien. Am Biathlonsport liebt er die Abwechslung zwischen mentaler und physischer Belastung. „Oft sind es Millimeter, die entscheiden, ob du erfolgreich bist oder nicht. Das macht unsere Sportart aus.“ Mit Blick auf die Olympischen Spiele in Peking will er seine Leistung der Vorsaison noch verbessern. „Ich will mich ständig weiterentwickeln. Jeden Tag etwas Neues zu lernen, macht mich stolz.“ Dass die Olympischen Spiele in Asien stattfinden, sieht er als Chance die dortige Bevölkerung für Wintersport zu begeistern. Während seiner aktiven Karriere pausiert seine akademische Laufbahn, doch für die Zeit nach dem Sport hat er bereits Pläne. Er will studieren und einen Abschluss in Ingenieurswissenschaften machen. Bis dahin gilt jedoch: immer weiter machen und sich stetig verbessern. Sturla Holm Laegreid hat noch viel vor im Biathlonzirkus.

Darf sich über die kleine Kugel in der Disziplinwertung Verfolgung freuen:
Sturla Holm Laegreid. Foto: ©Manzoni/IBU

 

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